Fahrradtour Loire 2016 - von der Quelle zum Meer 

                                       + Kehl-Freudenstadt-Tübingen


Dieses Jahr sollte es mal eine richtige Flusstour sein, d.h. von der Quelle bis zum Meer. Meine Wahl fiel auf die Loire, den mit 1012 km längsten Fluss Frankreichs, der im Zentralmassiv entspringt, durch ganz Frankreich fließt und in den Atlantik mündet. Die diesjährige Tour dauerte vom 19. August bis zum 08. September 2016, inklusive einem kleinen deutschen Anhang. Die reine Fahrzeit für die eigentliche Loiretour betrug 16 Tage plus 2 Tage für den Anhang in Deutschland. Die Gesamtstrecke für die Loiretour selbst belief sich auf rund 1.230 km. Hinzu kamen die rund 140 km Deutschlandanhang. Die angegebenen Kilometer sind Tachokilometer, also mehr als die Plankilometer gem. Komoot.

Seit 2013 fahre ich ein mit einem Bausatz von Senglar per Eigenumbau zum Pedelec umgerüstetes KTM-Veto light

Wer Interesse an meinen anderen, ins Netz gestellten Touren hat, einfach
meine Radtouren anklicken.

 

I. Vorbereitungen

Wie immer hatte ich mit Ausnahme der Unterkünfte in Genf und auf der Auffahrt ins Zentralmassiv keine Unterkünfte vorgebucht, da ich meine Reiseetappen zwar grob vorplane, letztlich aber immer die Freiheit genieße, an einem Tag so weit und so lange zu radeln, wie ich lustig bin oder auch mal gar nicht. Das Wetter war dieses Jahr praktisch durchgehend sehr sonnig und heiß. Ausgerechnet im Massif Central hatte ich allerdings das Vergnügen, beim Anstieg zur Quelle und der anschließenden Weiterfahrt nach der Quelle ca. fünf Stunden ununterbrochen beregnet zu werden.

Die Klammerangaben hinter den Ortsnamen sind Höhenmeter. Namentlich erwähne ich nur die guten Unterkünfte.

Die Anreise ist nicht ganz einfach. Während ich letztes Jahr den größten Teil der Zugstrecke nach Italien im Schlafwagen absolvieren konnte, war es diesmal etwas kompli-zierter. Selbstredend gab es keine Zugstrecken bis zur Quelle oder auch nur in deren Nähe. Der nächstgelegene Bahnhof ist Valence im Rhonetal. Auch dorthin gelangt man aber nur mit mehreren Umstiegen. In meinem Fall ging es zunächst von Göppingen über Stuttgart bis Genf. Von dort per Pedales ins angrenzende, französische Annemasse. Von dort eigentlich mit nur einem Umstieg in Annecy nach Valence. In meinem Fall war es noch komplizierter, aber dazu später.

Ein weiteres Problem ist die konkrete Tourenplanung. Die Franzosen haben ab Nevers, also im Flachlandgebiet der Loire, ihren wirklich hervorragenden Loire-Radweg angelegt. Bis dahin ist aber Eigenplanung angesagt.
Ich hatte erstmals bei meiner Radtour im letzten Jahr in Italien, siehe Neapel-Rom-Florenz-Bologna-2015, das Wander- und Fahrradnaviystem von Komoot eingesetzt.
Man registriert sich dort und kauft für gerade mal € 30,00 das komplette Kartenpaket. Daheim am PC gibt man dann für die zu planende Tour ein, ob sie für Mountainbike, Tourenrad oder Rennrad sein soll und plant dann auf der Landkarte munter drauflos. Ist man fertig, lädt man die Tour auf sein Smartphone, auf das man zuvor natürlich die entsprechende App geladen hat. Die Karte ist dann offline verfügbar und per GPS geht es dann los. Man braucht auf diese Weise unterwegs keine Internetverbindung.
Fällt einem übrigens auf der Strecke ein, dass man von der geplanten Route abweichen will, so geht auch dies. Man gibt dann die zusätzlichen Wegepunkte unmittelbar
auf der Landkarte auf dem Smartphone ein und das System plant neu.

Wichtig ist eine zusätzliche Stromversorgung, da der Akku des Smartphones nach ca. 4-5 Stunden schlapp macht. Ich habe das Problem so gelöst, dass ich mir eine alte Tablettendose ans Fahrrad geklebt habe, in der dann ein Zusatzakku, neudeutsch Powerpack, steckt, der mit dem Handy verkabelt wird und abends dann eben auch aufgeladen werden muss. Es gibt wohl auch Lösungen in Verbindung mit dem Fahrraddynamo oder bei Pedelecs mit dem Hauptakku, aber das ist deutlich aufwändiger und teilweise wohl noch nicht so ausgereift.

Der gesamte Streckenverlauf  Valence-Quelle, Quelle-Nevers sowie Nevers-Saint-Nazaire und Kehl-Tübingen kann durch entsprechendes Anklicken angesehen werden.

Man kann zwar grundsätzlich die tatsächlich gefahrenen Strecken speichern und später freigeben. Da das in meinem Fall aber immer unübersichtlich viele Teilstücke mit Irrfahrten und Hotelsuchfahrten in den Städten sind, handhabe ich es immer so, dass ich meine nach der Tour überarbeiteten bzw. angepassten Planungsstrecken freigebe und im Netz zugänglich mache.
An dieser Stelle noch eine deutliche Warnung: Hände weg von allzu forschen Eingriffen in die Planung Komoots! Die konkrete Routenplanung durch die Software Komoots ist wirklich (fast) perfekt. Das System hält einen weitmöglichst von Hauptstraßen fern, sucht schöne Nebensträßchen und bezieht vorhandene Radwege ein.
Nun hatte ich, da ja Flusstour, zweimal ins System eingegriffen und die Route unmittelbar an die Loire rangezogen. Das Ergebnis war in einem Fall, dass aus dem Weg ein holpriger  Wanderweg und schließlich eine umzäunte Weide wurde. Im anderen Fall stand ich vor einem großen, verschlossenen Tor. Der dahinterliegende Weg war zwar wunderschön asphaltiert, jedoch nur den Betreibern der Stauseegesellschaft zugänglich.

Ich habe diese beiden Irrwege bei meiner Nachbearbeitung wieder rausgenommen. Garantieen im Rechtssinne gebe ich für meine Planung natürlich keine ab. Dies ist eine Privat- und Hobbyseite.

 

II. Frankreich Land und Leute

Ich war in den Siebzigern zweimal mit einem Freund in Frankreich im Urlaub. Seitdem hat sich viel verändert und zwar durchweg zum Positiven. Das Land war und ist vielfältig und touristisch äußerst reizvoll. Entlang der Loire Schlösser ohne Ende! Die Städte, es gibt an der Loire nun wirklich einige davon, sind in einem sehr ansehnlichen Zustand.
Im Vergleich zu Italien kann man in Frankreich auch mal in eine Nebengasse gehen, ohne dass dort gleich der Putz von den Wänden fällt bzw. schon gefallen ist.
Als Radfahrer fällt einem auch auf, dass selbst die kleinsten Nebensträßchen auf dem Land in einem relativ guten, d.h. relativ schlaglochfreien Zustand sind.
Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, daß zumindest in Süd- und Mittelitalien das meist Geld für den Städte- und Straßenbau nicht in selbigen, sondern in die Taschen der durch zahlreiche Filme hinreichend bekannten italienischen Familia fließt. Angenehm auch, dass die Straßenränder nicht vermüllt sind, was in Italien schon sehr unange-nehm auffiel.

Wie immer kann es nicht schaden, wenn man ein paar Brocken oder auch etwas mehr der Landessprache beherrscht. In meinem Fall konnte ich auf über vierzig Jahre zurückliegende Restkenntnisse aus zwei Jahren Schulfranzösisch zurückgreifen. Mit anderen Worten: Mein Französisch hat einen leicht teutonischen Akzent und einige Grammatikfehler. Im Gegensatz zu früher, als es einem durchaus passieren konnte, dass ein Gallier schlicht behauptete, einen nicht zu verstehen, ist mir das auf meiner diesjährigen Reise nicht ein einziges Mal passiert. Im Gegenteil! Bei meinen bescheidenen Versuchen eines kleine Smalltalks bekam ich sogar öfters mal Komplimente bezüglich meiner Französischkenntnisse zu hören, die ganz sicher der Höflichkeit und nicht meinen Sprachkenntnissen geschuldet waren. Aber immerhin! Also auch in
dieser Hinsicht ein sehr angenehmes Reisen. Man ist per Pedales aber auch dichter an den Menschen als per Auto.

Die vielgerühmte, französische Küche ist ein Kapitel für sich. Ich bin der Meinung, das man für ein vernünftiges Geld bei uns genauso gut essen kann wie in Frankreich.
In kleineren Orten und Gaststätten sind Menüs üblich, d.h. man kann kein Einzelgericht bestellen. Vielmehr enthält die Speisekarte 3 - 5 Gänge. Innerhalb der Gänge gibt es jeweils zwei bis drei Gerichte zur Auswahl. In größeren Städten und Gaststätten wird zwar wohl auch die Bestellung eines Menüs erwartet, aber die Gerichte stehen auch einzeln auf der Karte. Ohne Wörterbuch bzw. gute Smartphoneapp ist man allerdings komplett aufgeschmissen. Ich habe auf diese Art einmal aus Versehen in einer Pastete samt Sauce versteckte Froschschenkel gegessen. Nun bin ich kein militanter Vegetarier. Aber Froschschenkel, die den armen Tieren bei lebendigem Leibe ausgerissen werden, vermeide ich nun wirklich.
Es gibt auch entweder nur Restaurants, also Essen, oder Bar oder Café, ohne Essen. Bars und Cafés haben nicht die kleinste Kleinigkeit zum Essen. Es gibt auch keine Konditoreien in unserem Sinne, also Cafés, in den man gemütlich ein Stück Torte zum Kaffee essen kann. In den Patisserien gibt es zwar leckere Kuchen und Törtchen,
die dort aber nur verkauft werden, also ohne Tischchen mit Kaffee dazu. Frisch gemachtes Eis ist teuer. Das Kügelchen kostet locker € 2,50!

Hotels sind in Frankreich relativ teuer, ich schätze mal so plus 20 Prozent. Auf den ersten Blick fällt das nicht mal auf, weil die Preise immer ohne Frühstück sind. Das petit dejeuner kostet 6-10 Euro extra und ist sehr petit. D. h. in der Regel nur süß, also O-Saft, Kaffee oder Tee, ein Croissant, ein Stück Baguette und Butter und Marmelade.
Kein echtes Problem, aber man sollte es halt wissen. Im Schnitt habe ich für ÜF 55,00 Euro ausgegeben. Die Hotels sind das reinste Lotteriespiel. Ich habe i.d.R. in Zwei-Sterne-Hotels übernachtet. Sauber waren alle. Aber der Standard reichte von sehr kleinen, renovierungsbedürftigen Zimmern und Sanitärinstallationen bis hin zu Zimmern
und Bädern, die eigentlich eher 3-4 Sterne wert waren. Der konkrete Preis hatte mit dem tatsächlichen Standard nicht allzu viel zu tun.
Hingegen habe ich mit den Chambres d'Hotes (also privaten Fremdenzimmern) durchgehend sehr gute Erfahrungen gemacht.
 

III. Die Tour
 

1. Tag: Reise bis Genf   

Mit der Bahn ging es zunächst von Göppingen über Stuttgart und Zürich bis Genf. Da ich die Bahnkarte rechtzeitig gebucht hatte, war das Ganze ein Schnäppchen.
In Genf suchte ich mein Hotel auf, welches schön zentral lag, aber mal eben so 100,00 Euro kostete. Die mehr an der Peripherie gelegenen Häuser wären aber auch nicht deutlich billiger gewesen. Schweiz halt! Ich hatte beim Reservieren allerdings übersehen, dass das Hotel ein Etagenhotel in einem Gebäude im fünften und sechsten Stock war. Die beiden Fahrstühle hatten Sardinenbüchsengröße und mein Fahrrad ging auch ohne Gepäck nicht mal hochkant rein. Eine Fahrradgarage im EG gab es nicht.
Also: I´m walking...
Na ja, es gibt Schlimmeres und aufgrund der zentralen Lage konnte ich sowohl den See als auch die Altstadt in Genf gemütlich zu Fuß besichtigen.

Die Lage der Stadt am See ist traumhaft, ebenso die Altstadt und die Preise der Gastronomie sind es auch.
Die fast 100 Meter hohe Seefontäne ist sehr beeindruckend und auf der Promenade vor dem Hotel Beau Rivage (Uwe Barschel) steht das Denkmal der dort am 10.09.1898
von einem Anarchisten erstochenen Kaiserin von Österreich, besser bekannt als "Sissi".


 

 

 

 

 

 


 

                           Seefontäne Genf


                                                                                                                                                                                                                                                    Sissidenkmal
 

2. Tag: Weitereise nach Annemasse 8 km, Zug bis  Valence und Aufstieg ins Massif Central 65 km                                                                                                                                  

Am nächsten Morgen war zunächst die Fahrt zum französischen Bahnhof in der Nachbarstadt Annemasse mit einer Strecke von rund 8 km angesagt.
Die
Route war mit Hilfe von Komoot schnell gefunden und gefahren. Ich hatte mir im Internet eine Zugverbindung über Annecy nach Valence mit einer Abfahrt um 9:16 Uhr und Ankunft gegen 14:00 Uhr ausgesucht und wollte eine entsprechende Fahrkarte kaufen. Der Schalterbedienstete erklärte mir, dass dies nicht ginge, da der Zug ab Annecy keine Fahrradplätze habe und verkaufte mir eine Karte mit Abfahrt 12:15 Uhr und Ankunft ca. gegen 16:00 Uhr. Man muss wissen, das die TERs (Regionalzüge) in Frankreich Fahrräder ohne Reservierung mitnehmen und selbst die TGVs (ICEs) einige, wenn auch wenige Fahrradplätze haben, die aber vorher gebucht werden müssen. Meiner Kenntnis nach wäre meine Verbindung nur mit dem TER erfolgt. Nach Kauf der Fahrkarte realisierte ich dann, dass das gar nicht ging, weil ich ja von Valence noch ins Massif Central zu meiner ersten Unterkunft fahren wollte, welche ich für den Abend gebucht hatte. Aufgrund einschlägiger Erfahrungen mit unserer DB (angeblich keine Stellplätze und dann fast leere Fahrradabteile), fragte ich, ob ich nicht doch die Verbindung um 9:16 Uhr bekommen könne und es auf eigenes Risiko probieren könne. Die sture  Antwort war: "Non"! Da stand ich nun und klagte einem im Raum befindlichen, weiteren Angestellten (alles in meinem "Superfranzösich") mein Leid. Dieser reagiert äußerst flexibel und freundlich.
Er verfrachtete mich samt Fahrrad in einen vor dem Bahnhof wartenden Schnellbus und meinte nur: "Der fährt gleich nach La-Roche-sur-Foron, einem ca. 30 km entfernten anderen Bahnhof. Steigen Sie dort ein und probieren Sie es einfach.
Sie sind Tourist und Ausländer, Ihnen tut schon keiner was!"  Gesagt getan. In La Roche stieg ich kurz nach Ankunft des Busses in einen TER ein und fuhr mit dem TER nach Annecy. Dort wartete der TER nach Valence - mit freien Fahrrad-plätzen - auf mich und lud mich gegen 14:00 Uhr in Valence aus. Und ich wette, das war genau der Zug, der angeblich keine Fahrradplätze hatte!

                                                                                                                                                                                                                               Bahnhof Valence

In Valence gab es dann schnell einen Döner zum Mittagessen und dann ging´s hinunter zur Rhonebrücke (110) und rechtsseitig zunächst ca. 20 km flußabwärts entlang der Rhone. Danach ging es in ein Seitental hinein ins Massif Central und zu meiner freudigen Überraschung kamen bald darauf ca. 30 km einer ehemaligen, stillgelegten Eisen-bahnstrecke.  
                                                                                                                                                                                                                                             
Der Aufstieg ins Gebirge kann nur als wildromantisch beschrieben werden. Tief eingeschnittene Gebirgsbachtäler und zerklüftete Höhen. Die Ardeche ist ein Paradies für Naturliebhaber, vor allem dann, wenn die Sonne scheint.
So arbeitete ich mich durch viel Natur und einige wenige Dörfer (auch mit Pedelec muß man strampeln, geht nur bergauf einfacher  :-)  ) allmählich nach oben. Es war sehr warm und so wurde in einem der wenigen Örtchen bzw. Lokale eine Pause mit einem kühlen Bierchen und einem Eis eingelegt. Irgendwann musste ich die Eisenbahntrasse verlassen und gegen Abend erreichte ich auf der dann doch ziemlich leeren Landstraße mein gebuchtes Quartier in Marcols-les-Eaux (670).
Die Dörfer in dieser Gegend, sofern überhaupt vorhanden, haben so um die 300 - 500 Einwohner und Hotels gibt es kaum, allenfalls Campingplätze. Deshalb hatte ich auch per booking.com das Salomony Chambre d´Hotes für € 56,00 incl. Frühstück gebucht. Im Gegensatz zu den Hotels ist bei den Chambres d´Hotes Frühstück meistens mit dabei.
Mein Quartier entpuppte sich als wunderschön renoviertes Landhaus mit einem urgemütlichen Zimmer. Meine Frage, wo ich spätabends noch etwas essen könne, beantwortete die Gastgeberin mit der Gegenfrage, ob ich bei Ihr essen wolle, was ich bejahte.
Ich saß dann mit dem Gastgeberehepaar und zwei französischen Gästepaaren gemeinsam im Garten an einem großen Esstisch und genoss das von Madame kreierte 5-Gänge Menü. Das kostete zwar extra, war seinen Preis von € 25,00 aber mehr als wert. Wir unterhielten uns bestens auf auf Englisch und Französisch und die Lacher waren auf meiner Seite, als ich behauptete, 30 Kinder zu haben ("trente" statt "trois"). Die Unterkunft hat völlig zu Recht beste Bewertungen.


 

3. Tag: Aufstieg zur Loirequelle und weiterfahrt nach Isarléss im Massif Central 59 km

Am nächsten Tag sollte es mich dann zum ersten aber auch einzigen Mal richtig übel erwischen. Der Himmel war grau. Bereits während des Frühstücks begann es zu regnen und hörte dann bis zum Nachmittag um ca. 16.00 Uhr auch nicht mehr auf. Also Regenkleidung angelegt, Augen auf (empfiehlt sich beim Radfahren) und durch!
Beim Aufstieg zur Loirequelle machte ich eine Regen- und Akkuladepause in einem Lokal in La-Champ-Raphael und stellte bei dieser Gelegenheit fest, dass ich es mit meinem Quartier wirklich bestens getroffen hatte. Ursprünglich wollte ich nämlich in La-Champ-Raphael übernachten. Die dortigen Gasthausinhaber hatten auf meine Emailanfrage (in Französisch) jedoch nicht reagiert.
Das ursprünglich geplante Quartier war, höflich ausgedrückt, deutlich schlichter, wäre aber nicht wesentlich billiger gewesen. Weiter ging es im Regen hoch zur Quelle am Fuße (1440 m) des Mont Gerbier-de-Jonc. Auf der Landkarte gibt es drei Quellen. Vor Ort fand ich zwei davon. Eine war ein ziemlich primitiv angelegter "Quellteich" bei einem gleichnamigen Gasthaus. Die wohl wirkliche Quelle befindet sich ca. 100 m weiter versteckt in einem kleinen Waldstück und dürfte die echte Quelle sein, da das Quellbächlein sich zunächst leicht in die Landschaft einschneidet und dann in einer Talsenke weiterfließt. Erreichen kann man es nur durch Fahrradschieben über einen kleinen Fußweg unterhalb der Landstraße, aber das musste natürlich sein. Schließlich wollte ich die Loire von der Quelle bis zum Meer entlang fahren. Nach einigem weiteren Schieben durch den Wald erreichte ich dann wieder die Landstraße und nun ging es eine Weile munter bergab, aber halt im Regen.

 

                            

                        Mont Gerbier-de-Jonc                                                                   Pseudoquelle                                                                               Quelle


Wie immer im Gebirge bedeutet flußabwärts leider nicht konstant talabwärts. Die Landstraße kann dem Flußverlauf nicht ständig folgen. Stattdessen passierte ich mehre Seitentäler, d.h. immer erst schön bergab und dann wieder weniger munter bergauf zum nächsten Col (Pass). Irgendwann gibt man es dann auf, sich zu fragen, ob der gerade vor einem liegende Pass denn der letzte ist. Die wirklich tolle Gebirgslandschaft konnte ich wegen des Dauerregens und der ständigen Passfahrerei nur bedingt genießen.
Am späteren Nachmittag kam ich dann in und am Lac d' Issarlés an, einem kleinen Ferienort an einem Vulkansee mit doch tatsächlich mehreren Hotels. Prima dachte ich, jetzt höre ich bei diesem tollen Wetter auf und suche mir hier ein Zimmer! Nun, beim Suchen blieb es auch. Alles ausgebucht! Im August befindet sich ganz Frankreich bekanntlich komplett im Urlaub und in den jeweiligen Urlaubsregionen und dieses abgelegene Örtchen am See gehört offenbar dazu. Wenige Kilometer später erreichte ich das eigentliche Dorf Issarlés (870) und siehe da:

Es gab einen Gasthof und der hatte ein Zimmer für mich! Nach einer Regentour ist es einfach himmlisch, aus den feuchten Klamotten zu schlüpfen und aaauuusgiebig heiß zu duschen!

Abends gab es dann noch ein einfaches, aber schmackhaftes Menü bestehend aus einer kleinen gemischten Wurstplatte als Vorspeise, Goulasch mit Nudeln, einer kleinen Käseplatte und einer Crème brulée als Schlußgang.
Nach dem Essen bummelte ich noch über den Marktplatz, auf dem einige Einheimischen Boule spielten. Frankreich pur!
Mein Rettungsgasthaus, das Restaurant des Voyageurs, hat es natürlich verdient, im Bild festgehalten zu werden.
Der Preis war übrigens auch recht günstig.

 

 

 

 

4. Tag: Isarléss - Retournac 85 km  

Am nächsten Tag lachte mich die Sonne an und das Lachen verging ihr praktisch bis zum Ende meiner Reise nicht mehr. Auch wenn es gebirgsbedingt immer noch bergauf und bergab ging, so waren die gröbsten Pässe doch überstanden. So radelte es sich doch deutlich entspannter, zumal ich nun auch wieder die schöne Landschaft genießen konnte.
Immer noch im Massif Central schneidet sich die Loire tief ein und wenn man in Flussnähe gelangt, bieten sich tolle Aus- und Einblicke. Das Bild links entstand allerdings genau an dem Streckenstück, welches ich bei der Planung von Hand an den Fluss gezogen hatte, also bereits auf dem Teil des Wanderwegs, der bald darauf an einem Weidezaun enden sollte, d.h. wenige Kilometer vor Coubon. An der Weide angelangt, entlud ich mein Gepäck, wuchtete das Fahrrad über den Zaun, dann wieder Gepäck drauf und unter den staunenden Augen der Kühe hangaufwärts zum anderen Ende der Weide, dort wieder Gepäck ab, Fahrrad rüber und Gepäck wieder aufgeladen. Anschließend ging es in einer natürlichen Wasserrinne, gerade trocken, den Berg aufwärts bis zu einem Geröllweg und dann wieder schiebend bergab, bis ich endlich an die Straße gelangte. Wer das nachmachen möchte, einfach die Route unmittelbar vor Coubon wieder an den Fluss zurückziehen!  :- ) Eigentlich wollte ich in Coubon zu Mittag essen, aber die Lokale hatten entweder gerade zu oder Urlaub.

Auch in dieser Gegend fährt man schon an dem einen oder anderen, schönen Schlößchen vorbei.
 

 

Gegen Abend sah ich mich in jedem der Örtchen, die nun allmählich zahlreicher wurden, nach einem Hotel um. Es stellte sich heraus, dass die Hotels entweder wegen der Ferien zu hatten oder zwar noch außen Hotel drauf stand, der Hotelbetrieb jedoch eingestellt worden war. So kam ich  gegen 19:00 Uhr unterkunftslos in Retournac (500) und steuerte dort erneut die Bar eines Hotels an. Auch hier erklärte man mir zunächst, dass man keine Zimmer mehr vermiete.

"Aha" sagte ich und fügte in meinem Französisch hinzu: "Da habe ich nun aber langsam ein Problem!"

Und siehe da, der Inhaber erklärte mir, ich möge mal kurz warten, erschien nach wenigen Minuten und gab mir ein Zimmer.
So konnte ich dann doch wieder entspannt duschen, in frische Kleidung wechseln und mir im Ort ein Restaurant suchen, in dem ich zu Abend aß (es war aber auch das einzige, wenn man von einer Dönerbude und einem Pizzamitnahmelokal absah).

 

5. Tag: Retournac - Montrand-les-Bains 82 km

Am nächsten Morgen blickte ich von einer Anhöhe nach Retournac zurück auf den Teil des Massif Centrals, den ich nun hinter mir gelassen hatte. Der vulkanische Ursprung dieses Gebirges war nun, ohne Regenwolken, deutlich zu erkennen.   

Die
Gegend wird nun zunächst relativ flach und man meint irrtümlich schon, aus dem Massif Central heraus zu sein. Dies trifft jedoch nicht zu. Nach einigen Kilometern rücken die Berge, wenn auch niedriger, wieder an die Loire heran, die erneut Schluchten bildet und dann auch zum wiederholten Mal aufgestaut wird.

Immer wieder auf und ab radelnd, wurde die Landschaft dann wieder flacher und ich kam gegen Abend in Montrand-les-Bains (350) an, einem kleinen Kurort. Man sollte meinen, dass es dort mehrere Hotels zur Auswahl gibt. Gibt es vielleicht auch, oder auch nicht. Ich jedenfalls fand nur ein Hotel im Siebziger-Jahre-Beton-Stil, das Cirius, in dem ich dann auch unterkam. Hier ich verzehrte ich dann übrigens auch irrtümlich die eingangs schon erwähnten Froschschenkel.


 


6. Tag: Montrand-les-Bains - Villerest 60 km


In Montrand-les-Bains ist die Landschaft wieder recht flach und die Loire fließt schon sehr breit dahin. Man meint, das war es nun mit den Bergen und man täuscht sich schon wieder. Die Berge, nun eher Hügel, rücken wieder an die Loire ran und man muss doch tatsächlich auch schon wieder kraxeln. Dafür wird man dann mit einem Wasserschloss belohnt, welches ursprünglich gar kein Wasserschloss war, sondern auf einem Felsvorsprung hoch über der Loire erbaut worden war, nämlich das Chateau de la Roche. Tja und dann wurde ein kilometerlanger See aufgestaut, der das Schlösschen zunächst sogar etwas unter Wasser gesetzt hatte.

Ansonsten war der Tag recht heiß und ich sehnte mich nach einer Bade-pause am Ende des Stausees.


               Loriebrücke Montrand-les-Bains                                                                                                                                                           Chateau de la Roche

 
In Villerest (350) gibt es dann am Ende des Sees kurz vor der großen Staumauer tatsächlich einen schönen Badestrand. Die Loire bildet dort dann auch den Lac de Villerest.
Beeindruckend war der Wasserablass an der Staumauer.
Vor dem gemütlichen Abliegen am Strand musste allerdings zuerst ein Zimmer besorgt werden, zumal auch dieses Örtchen mit rund 4000 Einwohnern nicht allzu groß war. Zunächst fragte ich in einer Auberge am See nach, die aber nur dem Namen nach eine Herberge war. Allerdings drückte mir die freundliche Wirtin einen Prospekt in die Hand, in dem ich die Telefonnummer eines Chambre d'Hote fand. Der Anruf ergab, dass die Bleibe ausgebucht war. Meine Frage nach einer Alternative beantwortete die Ange-sprochene in völliger Überschätzung meiner Französischkenntnisse in einem derartigen Tempo, dass ich der Wirtin der Auberge das Handy hinhielt. Diese gab mir dann freundlicher Weise die langsame Version wieder, nämlich die Telefonnummer und den Namen eines weiteren Chambre d'Hote. Mein dortiger Anruf ergab, dass noch ein Zimmer frei war und noch während des Telefonats wechselte die Dame ins Deutsche, da es sich um eine pensionierte Deutschlehrerin handelte, die sich freute, einen deutschen Gast begrüßen zu können.
Dort angekommen stellte sich heraus, dass es sich bei Madame Saliba um eine liebenswürdige ältere Dame handelte, die auf einem großen Grundstück mit wundervoll eingewachsenem Garten ein schönes Haus hatte. Auch sie lud mich zum gemütlichen Abendessen im Garten ein. Der Aufpreis war mehr eine Art Unkostenvergütung als ein wirklicher Preis. Ich wurde wieder einmal hervorragend bekocht und zusammen mit ihrer charmanten, ebenfalls anwesenden Cousine sowie einer weiteren Bekannten, wurde gut gegessen und geplaudert. Da ich für fehlende Worte eine Dolmetscherin am Tisch hatte, haben wir sogar ein wenig über die politische Großwetterlage in Deutschland und Frankreich gesprochen. Mit Politisieren sollte man sich als Ausländer und Gast ja eher zurückhalten. Aber es hatte sich so ergeben und ging gut.

Vielleicht hatte ich ja einfach nur Glück aber ich habe den Eindruck, dass die beste Art durch Frankreich zu reisen wirklich diese Privatpensionen sind.
Jedenfalls: Reisender kommst du nach Villerest, unbedingt bei Madame Saliba im Le Coin Fleuri übernachten!

 

7. Tag: Villerest - Diou 83 km

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Roanne (260). Die Stadt gehört noch nicht zu den klassisch schönen Loirestädten. sondern ist eine (ehemalige) Industriestadt, in der der Canal láteral de la Loire (Loirseitenkanal) beginnt. Dieser wird wie alle Kanäle dieser Art heute nur noch für Hobbykapitäne in Betrieb gehalten. Man könnte sagen, dass der inoffizielle Loireradweg schon hier beginnt, denn ab hier gibt es einen ausgeschilderten Radweg, der teilweise am Seitenkanal entlangführt, teilweise auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse und ansonsten auf ruhigen Nebensträßchen. Dankenswerter Weise lotst einen Komoot weitgehend auch über diesen Radweg. Hin und wieder geht es auch, mangels einer geeigneten Nebenstraße im Tal, rechts oder links den Talhang hinauf und wieder hinab. Einmal traf ich am Seitenkanal auf ein Piraten-schiff Marke Eigenbau.
Der Kapitän und Schiffseigner stellte sich als Deutscher heraus, der sich in weiblicher, französischer Begleitung befand.
So kann man leben!

 

 

Nahe Digoin macht der Seitenkanal eine 90-Grad-Knick nach Westen. Dort mündet der Canal-du-Centre, der von Chalon an der Saone, einem Nebenfluss der Rhone kommt, in den Seitenkanal der Loire. Da mir am späten Nachmittag nach einer Pause und einem kühlen Bierchen war, folgte ich dem Canal-du-Centre bis Digoin und sah so die Kanalbrücke über die Loire, über die gerade ein Ausflugsboot fuhr. Es sieht einfach gut aus, wenn ein Fluss, und sei es auch nur ein Kanal, einen anderen Fluss mittels einer Brücke kreuzt. In der Bar im Ort gab es dann noch einen netten Plausch mit zwei deutschen Radlerinnen, die ziemlich aufs Geradewohl kreuz und quer in Frankreich unterwegs waren.

Anschließend ging es weiter, der Abendsonne entgegenradelnd, nunmehr durchgehend am Loirseitenkanal entlang, bis Diou. Hierbei handelte es sich wieder mal um ein sehr kleines Örtchen und an einer Tafel des Fremdenverkehrsamts fanden sich zwei Chambres d'Hotes. Ich fuhr zum erstbesten und landete in einem fast schon schlossähnlichem Anwesen, jeden-falls einem toll renovieren Gutshof o. ä. mit Swimmingpool und einem Zimmer mit Bad und Whirlpoolbadewanne und allen Schikanen. Der Preis ohne Frühstück war denn auch wieder etwas toller, nämlich € 64,00, aber dem sehr guten Standard letztlich angemessen. Ich gönnte mir jedenfalls noch eine abendlichen Sprung in den Pool. Auch der Frühstücksaal am nächsten Morgen war schon ein Erlebnis. Antike Möbel wohin man sah und das Frühstück war, zwar französisch süß, aber durchaus reichhaltig.

Problematisch war das Abendessen, da es im Ort kein offenes Restaurant gab, was ich zunächst aber nicht so ganz realisierte. Auf meine Frage hin erklärte meine Vermieterin nämlich, dass es in knapp 2 Kilometern Entfernung ein Bahnhofscafé gäbe (in diesem Fall Restaurant) in dem man noch etwas zu essen bekäme. Sie rief zur Sicherheit sogar extra dort an. Ich also rauf aufs Fahrrad, zum Bahnhof in Diou und das Restaurant gesucht und nicht gefunden. Inzwischen war es ca. 20:30 Uhr. Zurück zu meiner Wirtin, die daraufhin ihren Sohn per Auto als Wegführer einsetzte. Dieser fuhr zu meiner Überraschung aus Diou raus, auf die Landstraße und zum Bahnhof des nächsten Dorfs Gilly-sur-Loire.

Dort fand sich dann auch das Restaurant, welches auch noch offen hatte. Das mit dem nächsten Dorf hatte ich wohl überhört. Es gab dann dort ein gutes kaltes Büffet, von dem ich mich bediente. Anschließend fragte mich die Wirtin, ob ich noch ein ???-Boeuf haben wollte. Eigentlich war ich schon satt, aber ich dachte mir "Boeuf" ist Rind, also keine Grenouilles bzw. Froschschenkel und nahm das Angebot an. Und dann kam Rinderzunge! Zunge mochte ich noch nie, da dreht sich mir schier der Magen um!
Also entschuldigte ich mich wortreich bei der Wirtin, wies auf mein bescheidenes Schulfranzösisch hin und ließ die Rinderzunge zurückgehen. Ich sagte ihr allerdings, dass ich die Zunge selbstverständlich bezahlen würde. Sie war dann aber so nett, die Zunge nicht in Rechnung zu stellen. Ich habe dann aber kräftig aufgerundet.

Das war dann also mein zweites aber auch letztes Erlebnis zum Thema Schulfranzösich und französische Speisekarte.

 

8. Tag: Diou - Nevers 103 km

Weiter ging es am nächsten Morgen durch die nun sehr weite Loirelandschaft, meistens am Fluss entlang.
Es war sehr heiß, so ca. 40 Grad, und so suhlten sich die Schweine Rücken an Rücken in der letzten, verbliebenen Pfütze.
Ich selbst machte mein Mittagspicknick dann auch unmittelbar an der Loire und sprang anschließend in das erfrischende, klare Wasser. Lustig war es, die Füße im Wasser zu lassen. Dann kamen nämlich viele Minifischchen und knabberten, warum auch immer, an meinen Zehen rum. Zum Thema Mittagspicknick ist noch zu sagen, dass ich mich hierfür vormittags immer in einem Supermarkt mit einem Sandwich oder einem Fertigsalat versorgte. Die Auswahl ist sehr reichhaltig.
Die Salate gibt es in allen Variationen. Die einzelnen Bestandteile, wie der eigentliche Salat, die Sauce, die Beilage und das Gäbelchen sind gesondert verpackt. Sehr praktisch, wenngleich ökologisch-politisch natürlich völlig inkorrekt :-) .

Einige Kilometer vor Nevers verfranzte ich mich dann doch noch im Ufergebüsch der Loire, weil ich schon vorher mein Navi nicht im Auge behalten, sondern nur noch die Landschaft genossen hatte. Wenn ich mir - nachträglich - die Komoot-Route angucke, die eigentlich ab Saint-Legers-de Lignes links der Loire und weitgehend wieder am Loireseitenkanal längs geht, so erinnere ich mich beim Schreiben der Seiten, dass ich in der Tat bei Saint-Legers-de Lignes wohl übersehen hatte, die Flussseite zu wechseln. Es ging dann etwas über Feldwege, bis ich wieder auf eine Fahrradroute stieß.
Ich wurde dann rechtsseitig den Talhang hinaufgeschickt wird, kreuzte eine Nationalstraße und sollte dann, dem Radweg nach Nevers folgend, noch weiter in die Prärie fahren.
Dazu hatte ich dann nach rund 90 Kilometern keine Lust mehr. Die Hauptstraße war nicht allzu sehr befahren und so nahm ich die Direttissima nach Nevers (167).
Dort fand ich in der Innenstadt in einer Seitenstraße ein ruhiges Hotel, das Hotel de Cléves, zu einem vernünftigen Preis und einen Fahrradabstellraum hatten Sie auch.
 

 

 


Nachdem ich mittels Duschen und Umziehen wieder einen zivilisationsfähigen Menschen aus mir gemacht hatte, bummelte ich durch die schöne Innenstadt und genoss auf dem Place Carnot in der Oberstadt (nach der Rinderzunge) einfach mal eine gute Pizza. Der Gang am Schloss vorbei in die Unterstadt am Loireufer führte mich dann noch in ein Lokal, vor dem im Freien so eine Art Jazzmusik gespielt wurde und wo man die schrägsten Typen sehen konnte.
Glücklicherweise war ich auf dem Rückweg zum Hotel zu Fuß unterwegs :-)

 

 


                    Nevers Herzogspalast

 

9. Tag: Nevers - Cosne-sur Loire 65 km


Beim Beladen meines Fahrrads am nächsten Morgen musste ich feststellen, dass eine meiner Gepäckträgerstreben, diesmal auf der rechten Seite, abgebrochen war. Letztes Jahr war mir dies gegen Ende der damaligen Sommertour auf der linken Seite passiert. Unterwegs hatte ich mir mit Packband beholfen, welches daheim dann durch eine Schlauchschelle ersetzt wurde. Aluminium muss man halt schweißen können und der chinesische Hersteller diese Trägers konnte es offenbar nicht. Ich suchte und fand einen Motorradhändler, zeigte ihm die defekt Stelle und fragte ihn per Zeigesprache ("Schlauchschelle" auf Französisch war und ist mir nicht geläufig"), ob er eine Schlauchschelle hätte. Er hatte!
Er gab mir dann auch noch das passende Werkzeug, sodass ich den Schaden provisorisch beheben konnte.
Verlangt hat er auch nichts, sodass mir nur ein herzliches "merci beaucoup" blieb.

In Nevers beginnt der offizielle Radweg "La Loire à Vélo". Der Radweg ist vom Feinsten. Meistens führt er am Fluss entlang. Er verläuft entweder auf einer eigenen Trasse oder jedenfalls auf ruhigen Nebensträßchen. Es gibt viele Picknickplätze und immer wieder Informationstafeln, die einen auf Sehenswürdigkeiten abseits der Route hinweisen.
Der Radweg kann derzeit nur als absoluter Geheimtipp bezeichnete werden, da der Weg offenbar noch kaum bekannt ist.
Die wenigen Radler, die einem begegneten, waren meist Deutsche.

Der Radweg dürfte in Nevers unten am Fluss beginnen. Ich selbst habe mit meiner Tour jedoch eine Flussschleife unmittelbar nach Nevers abgeschnitten und bin dann erst in Fourchambault auf den Radweg gefahren. Es geht nun, da Flachland, immer gemütlich am Fluss oder dessen Nähe weiter und mittags wurde erst mal eine erfrischende Badepause an einem Seitenarm der Loire gemacht. Am frühen Nachmittag sammelte ich dann einen deutschen Radler ein, der gerade dabei war, sich in der Landschaft zu orientieren. Er war bzw. ist wie ich Anfang 60 und wir beschlossen, zusammen weiterzuradeln. Es stellte sich dann nach und nach heraus, dass der Betreffende u. a. Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte studiert und später auch promoviert hatte. Sein Französisch war recht gut. Er hatte mal einige Zeit in Frankreich gelebt.
So weit so gut. Sobald man ihm aber ein Stichwort gab, begann er umfangreiche Erläuterungen aus seinen Fachgebieten abzugeben und man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er den Rest der Menschheit, Anwesende eingeschlossen, doch für etwas unter seinem Niveau hielt. Na ja, ich habe das als Bereicherung des Urlaubs und mit Humor genommen und es waren dann zwei recht unterhaltsame und interessante Tage. Am Abend des ersten Tages kamen wir jedenfalls in Cosne-sur-Loire an. Mein Mitradler hatte irgendwo ein Zimmer gebucht, ich wie immer nicht. Nach einigem Suchen landeten wir in einem Hotel, das früher mal eine Posthalterstation gewesen war, im
Le Vieux Relais
. Die Straßenfront des Anwesens sah in der Tat sehr vieux aus. Es stellte sich aber heraus, dass die Zimmer und auch das Haus sonst völlig in Ordnung waren und im Innenhof konnte man altes Fachwerk bewundern. Nach dem üblichen Frischmachen und Umziehen suchten und fanden wir in der Innenstadt ein schönes französischer Restaurant, in dem wir gut gegessen und getrunken und geplaudert haben.

 

10. Tag: Cosne-sur Loire - Sully-sur-Loire 85 km

Mein kurzzeitiger Reisebegleiter war am nächsten Morgen vor mir aufgebrochen und so startete ich zunächst allein zur nächsten Etappe. Gegen Mittag trafen wir uns dann am Ufer der Loire, ich machte gerade meine Mittagspause mit einem französischen Fertigsalat. Wir beschlossen, nochmal zusammen zu radeln und überquerten bei Briare die Loire auf einer Kanalbrücke. Anschließend ging es links der Loire weiter und bergauf in ein Dorf namens Saint-Brisson-sur-Loire. (Lag aber gar nicht an der Loire, sondern oben am Talhang!). Nachdem wir den Hang an einer anderen Stelle wieder hinabgeradelt waren, standen wir dann wieder an der genannten Kanalbrücke und wunderten uns. Irgendwie hatte ich trotz Koomot in dem Bergdorf die Orientierung verloren. Nun ja, soll vorkommen :- | .

Am sehr späten Nachmittag erreichten wir jedenfalls Gien und mussten im Fremdenverkehrsbüro erfahren, dass der Ort wegen mehrerer Feierlichkeiten komplett ausgebucht war. Also gönnten wir uns ein Bierchen und dann hieß es aufsteigen und weiterradeln. Etwa 20 km weiter erreichten wir dann Sully-sur-Loire, welches uns am Ortseingang erst mal mit einem schönen Wasserschloss empfing. Ein bzw. zwei Zimmer wurden gefunden und dann gab es ein gemütliches Abendessen in einem Lokal mit Blick auf besagtes Wasserschloss sowie einen anschließenden Absacker.   

 



                       Kanalbrücke Briare

 

10. Tag: Sully-sur-Loire - Orleans 53 km

Am nächsten Morgen war mein Mitradler wieder früh gestartet und ich machte mich auf den relativ kurzen Weg nach Orleans. Die Loire fließt in dieser Gegend schon ein ganzes Stück lang in einem sehr breiten Flussbett mit vielen Sandbänken dahin. Es gibt in Deutschland keinen Fluss, der soviel Platz hat. Man sollte meinen, dass der Fluss auch bei Hochwasser nicht oder nicht nennenswert über die Ufer treten kann. Kann er aber doch, wie mir ein Wirt etliche Kilometer flussabwärts erzählte, und zwar erst im Juli des Jahres.
Jedenfalls erreichte ich am frühen Nachmittag Orleans (90), fand ein ordentliches Hotel und machte mich anschließend auf in die Stadt zu einer Stadtbesichtigung. Orleans hat prachtvolle Bauten aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts aber auch noch einige mittelalterliche Fachwerkhäuser. Die durch die Innenstadt fahrende Straßenbahn hat in diesem Bereich keine Oberleitung sondern holt den Strom aus den von ihr jeweils überfahrenen Schienenabschnitten mit einem Mittelleiter, wie bei einer Modelleisenbahn. Nur während eine Modelleisenbahn ca. 12 Volt hat, fährt die Straßenbahn mit 750 V !!!
Die Frage, wie so etwas gehen kann, ohne dass man tödliche Stromschläge erleidet, beantwortete Wikipedia. Der jeweilige Abschnitt des Mittelleiters steht immer nur dann unter Strom, wenn die Bahn gerade darüberfährt. Hierfür ist eine ziemlich komplizierte, elektronische Steuerung erforderlich, die das Ganze entsprechend teuer macht. Sieht aber elegant aus! 

Selbstverständlich hat die Jungfrau von Orleans den schönsten Platz und eine entsprechende Reiterstatue. Die Kathedrale von Orleans ist sehr imposant. Bei der Besichtigung der Kathedrale traf ich auf bretonische Dudelsackpfeifer, die in der Kirche ein Konzert gaben. Am Ufer der Loire liegen Nachbauten der flachen, ehemals auf der Loire fahrenden Boote. Auch sonst ist in der Stadt viel los und beim Abendessen in einer guten Pizzeria konnte man das pulsierende Straßenleben genießen. 

                                         

                              Orleans Kathedrale                                                                Jeanne d´Arc-Denkmal                                                 Jeanne d´Arc Geburtshaus

 

11. Tag: Orleans - Chambord - Blois 78 km


Am Morgen wollte ich in einem Fahrradgeschäft meine Pedale austauschen lassen, da das rechte Pedal, vermutlich die Kugellager, immer wieder nervige, klackernde Geräusche von sich gab. Öffnungszeit war laut Schild 10.00 Uhr. Als sich um 10:15 immer noch nichts tat, stellte ich fest, dass das Geschäft nur von Mittwoch bis Samstag offen hatte und es war Montag. Das Ganze nicht in einem Dorfladen, sondern in Orleans! Man fragt sich, wie solche Geschäftsinhaber ihr Geld verdienen? Also musste ich zunächst weiterklackern. In Muides-sur-Loire verließ ich den Radweg, um zum Schloss Chambord zu radeln, dem vermutlich bekanntesten der Loireschlösser. Die Fahrt dorthin war zwar auch schön, das Schloss jedoch eine Enttäuschung. Dies lag zum einen daran, dass Teile des Schlosses eingerüstet waren, zum anderen daran, dass es keine Schließfächer fürs Gepäck gab und ich das Rad samt Satteltaschen während der ursprünglich geplanten Besichtigung nicht draußen stehen lassen wollte. Es war auch nicht möglich, die Taschen an der Kasse oder bei der direkt daneben liegenden Gendarmeriestation abzugeben. Keine besonders gute Organisation. Das war später in Chenonceaux deutlich besser geregelt. Nun ja, ich hatte das Schloss vor 40 Jahren schon besichtigt und soviel dürfte sich nicht verändert haben. Also schwang ich mich wieder aufs Rad und fuhr zurück zum Loireradweg und weiter nach Blois (63).



Blois hat neben einer Kathedrale und einem Bischofspalast mit einem schönen Garten, von dem man über die Stadt blickt, auch ein Schloss und ist ebenfalls eine Reise wert. Auch das eine oder andere alte Fachwerkhaus kann bewundert werden.

Unbedingt erwähnt werden muss noch meine dortige Bleibe, das Hotel Le Monarque. Das Hotel hatte einen abgeschlos-senen Fahrradport. Es gab ein richtiges Frühstücksbüffet mit Toast und Schinken. Das Frühstücksei konnte man sich mit Hilfe eines kleinen Drahtkörbchens in einem Boiler selbst frisch kochen. Nicht genug war das ganze Hotel liebevoll mit Comics französischer und belgischer Herkunft dekoriert. Das Ganze für - incl. Frühstück € 58,00. Wirklich nur zu empfehlen!

 



 

                                      Blois

                                


12. Tag: Blois - Chenonceaux - Tours 85 km

Am nächste Morgen fuhr ich noch zu einem Fahrradhändler, der meinem Rad zwei neue und moderne Metallpedale verpasste. Mit einem gutem Frühstück im Magen und technisch wieder up to date radelte es sich doch sehr angenehm in den Tag hinein. Dieser Tag war einer der Highlights meiner Tour, denn Schloss Chenonceaux stand auf dem Programm. Dieses Schloss, über den Cher gebaut, ist mein Lieblingsschloss unter den mir bekannten Schlössern Frankreichs. Versailles ist nun ja Versailles. Chambord mag prachtvoller (und auch protziger) sein und die Hochkönigsburg im Elsass ist genauso ein moderner Bau wie Neuschwanstein, also nicht wirklich "echt". Um nach Chenon-ceaux zu gelangen, verließ ich den Loireradweg bei Candé-sur-Beuvron und fuhr auf Nebensträßchen kreuz und quer in die Landschaft hinein, ohne dass es Wegweiser nach Chenonceaux gab, die vermutlich später am Lorieradweg irgendwann mal auftauchen. Bei dieser Gelegenheit entdeckte ich eine weitere, sehr praktische Funktion Komoots. Man kann auch unterwegs auf dem Smartphone auf der Komootkarte einen zusätzlichen Zwischenpunkt, hier also Chenonceaux eingeben und dann berechnete Komoot die geänderte Route. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber das System ist wirklich prima!


Nach der tagelangen Tour entlang der Loire war die Fahrt vom Loiretal hinüber ins Tal des Cher durch die hügelige Landschaft eine schöne Abwechslung. Das Mittagspause konnte auf einem Picknickplatz am Fluss verbracht werden und dann ging es weiter zum Schloss.
Dort war man auf Fahrradtouristen eingestellt. Es gab lange Reihen von Abstellplätzen mit Möglichkeit, das Fahrrad anzuschließen und nach der Kasse gab es kostenlose Schließfächer für die Satteltaschen.
Wenn man 3 Euro mehr Eintritt, bezahlt, bekommt man einen kleinen Videoplayer zum Umhängen, mit dem man dann in aller Ruhe und ohne den Zeitdruck einer geführten Gruppe nach Lust und Laune die Räume des Schlosses besichtigen und sich die Erläuterungen anhören kann.
Auf diese Art ist der Schlossführer zwar ausgestorben, aber diese individuelle Art der Selbstführung ist deutlich entspannter.
                                                                           

                                                           Chateau Chenonceau und Cher

 

Nach der Besichtigung gab's noch ein Eis und einen Kaffee und dann ging es mit dem Rad weiter nach Tours und zwar im ersten Teil der Strecke sehr schön am Cher entlang.
Tours (45) liegt als eine der wenigen größeren Städte am linken Ufer der Loire. Bei der Fahrt in die Innenstadt erwischte ich offenbar die Rushhour, aber es ging wie immer gut.

Die Hotelsuche klappte erst im dritten Anlauf. Das erste Hotel im Zentrum war ausgebucht. Das zweite Hotel in Bahnhofs-nähe sollte € 60,00 kosten und ich fuhr zum wenige Meter weiter gelegenen dritten Hotel. Dieses sollte laut mündlicher Auskunft des Herrn an der Rezeption € 64,00 kosten. Dumm gelaufen, dachte ich, wollte aber wegen € 4,00 nicht umkehren und stellte mein Fahrrad bereits vor meinem im EG gelegenen Zimmer im Innenhof ab. Beim Ausschreiben der Rechnung waren es plötzlich € 74,00. Daraufhin sagte ich dem Herrn "So nicht und schon gar nicht bei dieser miesen Qualität des Zimmers", welches ich gesehen hatte. Ich ging, mein Fahrrad holen. Nun rief mir er mir hinterher, "Okay, dann eben € 64,00". Ich ließ mein Fahrrad stehen. Er schrieb wieder eine Rechnung und wollte mir nun zusätzlich € 4,00 für das Fahrrad berechnen. Ich wieder Kehrtwende, um mein Fahrrad aus dem Innenhof zu holen. Er wieder "Okay, dann halt € 64,00". Daraufhin habe ich ihm gesagt, dass ich zwar Tourist aber nicht blöd sei und er sein Zimmer behalten könne. Anschließend ging ich in das andere Hotel und bekam dort mein Zimmer für 60,00 €, welches zwar auch relativ schlicht war, aber immerhin Klimaanlage hatte. Auf einem Boulevard vor dem Rathaus gab es dann in einem Straßenrestaurant einen veredelten Hamburger und ein Pichet (also Viertele) Wein.
Am nächsten Morgen machte ich mit dem Fahrrad noch eine kleine Stadtbesichtigung. Tours hat wie viele französische, auch kleinere Städte ein recht imposantes Hotel de Ville, also Rathaus. Meisten steht auf den Rathäusern der Wahlspruch der französischen Revolution "Liberté, Egalité, Fraternité". Außerdem gibt es ein ganzes Stadtviertel, wohl mittelalterlichen Ursprungs, mit vielen, schönen Fachwerkhäusern.                                                                                                                                                                                                                                    Tours Rathaus
 

 

13. Tag: Tours - Chinon 58 km

Zunächst ging es auf dem Loireradweg flussabwärts bis auf die Höhe von Rigny-Ussé. Dort sah man vom Radweg aus am Talhang ein Schlösschen und ich bog ab, um mir das am Nebenfluss Indre gelegene Schloss Ussé wenigstens im Vorbeifahren anzusehen. Das Schloss ist auch schön anzusehen, der typische "Loire-Schloss-Zucker-bäckerstil" eben. Dort entdeckte ich auch, dass es nach Chinon nur noch 13 km waren und ich beschloss, noch etwas mehr vom Loire-Radweg abzuweichen.

Die wieder aufgebaute Burg in Chinon steht auf für die Geschichte Frankreichs und Englands hoch historischem Boden. Sowohl Heinrich II. Plantagenet, der König Englands und des damaligen (West-)Frankreich war als auch dessen Söhne Richard Löwenherz und sein Bruder John ohne Land stammten von hier. An soviel Geschichte konnte ein alter Geschichts-fan wie ich nicht einfach vorbeiradeln. Die Burg liegt sehr schön auf einem hohen Bergrücken über der Stadt, die am Ufer des Venant liegt. Mein Gepäck konnte ich beim Ticketoffice in Verwahrung geben, nicht ohne es vorher einer Durchsicht durch einen der Angestellten unterziehen zu lassen. Wir leben halt einfach in üblen Zeiten. Dafür konnte ich dann in aller Ruhe durchs Schloss und seine Ausstellung bummeln. Anschließend ging es hinunter in die hübsche Altstadt und ein Hotel fand sich auch.

Ach ja, und während ich ein Hotel auf Booking.com suchte und dabei zwei drei Schritte vorwärts ging, übersah ich einen Betonpoller und machte eine äußerst üble Bauchlandung mit etlichen Schrammen. Männer sind einfach nicht mulitasking-fähig :-). Das sollte dann aber auch mein einziger Sturz auf der gesamten Tour gewesen sein.



                       Burg Chinon Pallas

 

14. Tag: Chinon - Angers 94 km

Am nächste Morgen ging es, teilweise am Venant entlang, zurück zur Loire bzw. dem Loire-Radweg. Einige Kilometer vor Saumur durchradelte ich ein Örtchen namens Turquant. Dort sind in die Felssteilhänge ganze Wohnungen und Geschäfte gehauen. In Saumur (30), auch eine Stadt mit Schloss, machte ich nur einen kurzen Mittagshalt, weil ich an diesem Tag noch Angers erreichen wollte. In einer Apotheke besorgte ich mir große Pflaster, da meine linke Innenhand noch wund war. Kurz nach Saumur wurde an einem neben der Loire liegenden Baggersee eine Mittags- und Badepause gemacht. Als ich aus dem Wasser kam, entdeckten mich aus welchen Gründen auch immer, Unmen-gen von Fliegen und ich musste dieses schöne Plätzchen fluchtartig verlassen. Wahrscheinlich waren die kleinen Ungeheuer alle von der nahen Kuhweide herübergeflogen.

Will man den offiziellen Radweg nach Angers nehmen, so überquert man auf dem Loireradweg noch den Maine, bevor man dann entlang dessen Ufer in die Stadt reinradelt. Diesen Weg habe ich dann am nächsten Tag stadtauswärts genommen. Wer meiner Route folgt, gerät stadteinwärts mal auf einige größere Straßen, die aber oft eine Radspur haben.

Angers liegt nicht direkt an der Loire, sondern ca. 7 km vom Fluss entfernt. Ein Hotel fand sich, indem ich wieder einfach in die Stadtmitte fuhr und im nächstbesten Hotel nachfragte. Dieses war zwar ausgebucht. Der Rezeptionist vermittelte mich jedoch an das nur wenig entfernte Hotel Iena. Einziger Nachteil: Das Zimmer lag im 4. Stock ohne Aufzug. Nun ja, ich habe das mit Gepäck ja nur zweimal gemacht. Dafür war die Lage schön zentral, nicht weit von der beeindruckenden Burg und dem Stadtzentrum entfernt. Angers ist eine größere Stadt und hat neben der genannten Burg auch eine Kathedrale und eine schöne Flussterrasse am Maine zu bieten.
                             Burgtor Angers                                                                                                                                                                                Angers Theater

Am Hauptplatz der Stadt am Theater fand sich dann ein hervorragendes Restaurant, welches nicht ohne Grund sehr gut besucht war. Aus der reichhaltigen Speisekarte wählte ich einen Fischersalat mit drei Sorten Fisch und das Bier war ausnahmsweise günstiger als der Wein, da es bis 21 Uhr das Bier zum halben Happy-Hour-Preis gab.


15. Tag: Angers - Anceny 66 km


Nach der doch etwas längeren Strecke am Vortag ließ ich es wieder etwas ruhiger angehen. Es ging wieder meistens am Fluss lang, der jetzt doch schon eine beachtliche Breite erreicht hatte. Die Landschaft zog ruhig an mir vorbei bzw. ich an ihr und gegen Abend erreichte ich Anceny, ein kleineres Örtchen aber mit Piscine, also einem Schwimmbad. Prima dachte ich, das passt. Der Tag war wieder sehr sonnig und warm gewesen und was gibt es Schöneres, als zum Abschluss nach einer Dusche ins kühle Nass zu springen. Freibäder sind in Frankreich im übrigen nicht so dicht gesät wie in Deutschland und der niedlich klingende Name "Piscine" verrät es schon fast, auch kleiner. Ein relativ kleines Schwimmbecken, eine relativ kleine Fliesen- und zugleich Liegefläche drumherum und das Ganze mit einem stabilen Stahlzaun eingezäunt. Nix mit Liegewiese und mehreren Pools, womöglich noch mit Riesenrutsche und so. Wahrscheinlich gibt es in den Großstädten andere Kaliber, aber ich war froh, mich erfrischen zu können. Bei solchen Dingen merkt man wieder mal, dass wir hier in Deutschland einen ziemlich hohen Lebens- und Infrastrukturstandard haben.

Das absolute Highlight war aber wieder das Chambre d'Hote, welches mir diesmal eine freundliche Dame des Fremdenver-kehrsbüros vermittelt hatte, nämlich das Loire Séjours. Es hat auf den Hotelportalen völlig zu Recht Bestnoten. Begrüßt wurde ich vom Herrn des Hauses mit der Frage, ob ich Englisch oder Französisch bevorzuge.

                        Schloss Anceny

Es handelte sich um einen gebürtigen Schotten, der wie auch immer in Frankreich gelandet und mit der französischen Dame des Hauses verheiratet war bzw. wohl immer noch ist. Das Haus war wieder liebevoll restauriert und versprühte einen einzigartigen englisch-französischen Charme. Mein Zimmer samt Bad war vom Feinsten und nachdem ich mich im örtlichen Supermarkt mit verschiedenen Schmankerln zum Abendessen versorgt hatte, brachte Madame mir Besteck, ein Glas und ein Brettchen, damit ich in aller Ruhe im Innenhof gemütlich zu Abend essen konnte. Selbstredend war auch das Frühstück am nächsten Morgen in gemütlicher Runde mit anderen Gästen aus England und Deutschland I a. Eine Fahrradgarage war ebenfalls vorhanden. Also auch hier, wie schon in
Marcols-les-Eaux und Villerest, wenn man in der Gegend sein sollte, unbedingt dort übernachten!
Der abendliche Absacker ging allerdings daneben. Das von mir aufgesuchte und eigentlich gut besuchte Lokal schloss doch tatsächlich schon um 22.00 Uhr!


16. Tag: Anceny - Nantes 40 km

Die Weiterfahrt nach Nantes war mit 40 km beinahe schon ein Katzensprung, sodass ich schon gegen Mittag dort ankam. Allerdings gestaltete sich die Hotelsuche dann etwas schwieriger. Im Fremdenverkehrsamt hatte ich nämlich ein Hotel bekommen und bezahlt, welches nicht mehr existierte. Am geschlossenen Hotel verwies mich ein Schild auf ein benachbartes Hotel. Dort erklärte man mir, dass das andere Hotel tatsächlich geschlossen sei, weil es kurz zuvor verkauft worden sei und gerade renoviert werde. Ich wollte daraufhin in dem anderen Hotel einchecken. Dies ging aber auch nicht, weil ich im Touristoffice schon bezahlt hatte und erst die Buchung wieder rückgängig gemacht werden müsse, wollte ich mein Geld nicht verlieren. Ich also zurück zum Touristoffice. Die Sachbearbeiterin hatte gerade Mittagspause. Ich also ebenfalls Mittagspause gemacht.
Dann wieder ins Office. Die inzwischen zurückgekehrte Lady wollte mir die Story erst gar nicht glauben, ließ sich dann aber nach einem Testanruf überzeugen und vermittelte mir ein anderes Hotel, welches zu einem nur geringfügigen Aufpreis von 4,00 Euro, obwohl offiziell auch nur 2 Sterne, einen viel besseren Standard hatte, nämlich das Amiral.

Nun, nach dem Ganzen Hin und Her konnte ich endlich meine Stadtbesichtigung machen. Nantes ist wieder eine der größeren Loirestädte. Es muss viel Geld in der Stadt sein, denn die Innenstadt hat nicht nur eine Fußgängerzone, sie   i s t   eine Fußgängerzone. Abgesehen davon gibt es prachtvolle Bauten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, eine Kathedrale bzw. zwei, ein schönes Schloss und vor dem Schloss einen originellen "Wasserspiegel". Früher floss die Loire bzw. einer Ihrer Arme dort direkt am Schloss bzw. der Stadtmauer entlang. Später hat man die Seitenarme zugeschüttet. Stattdessen hat man vor einigen Jahren vor dem Schloss, also der ehemaligen Flussfläche einen 3000 Quadratmetergroßen "Wasserspiegel" geschaffen, indem man diese Fläche ca. 3 cm hoch mittels lauter kleiner Sprudel unter Wasser setzt. Das Ganze ist im Sommer ein Riesenvergnügen. Kinder und Erwachsene laufen gleitend durch die Fläche und man kann sich und andere, so man will, kräftig nasspritzen. Auch ich konnte es mir nicht verkneifen, die Sandalen auszuziehen und über die Fläche zu laufen. Nachts wird das Ganze dann wohl noch schön angestrahlt. In der Nähe hatte es auch noch eine Rummel und so konnte ich mittels Riesenradfahrt die Stadt von oben ansehen.

                              

                  Historische Einkaufspassage                                                                 Schloss                                                                               Wasserspiegel


Abends suchte ich mir ein gut besuchtes Restaurant und bekam tatsächlich das zu essen, was ich auch bestellt zu haben glaubte. :-)


17. Tag Nantes -Saint Nazaire 73 km

Weiter ging es auf dem Lorieradweg, die Loire entlang. Ich passierte wieder mal ein Atomkraftwerk, ich glaube es war des dritte, und der Fluss geht, immer breiter werdend,  unmerklich in die Meeresmündung über. Früher war Nantes quasi der Seehafen der Loire. Später, d.h. zu Zeiten Napoleons III. wurde dann in dem Fischerdorf Saint-Nazaire für die Südatlantiklinien ein Hafen aus dem Boden gestampft, der bis Ende des zweiten Weltkriegs mit bis zu drei Werften eine große Bedeutung hatte und der zweitgrößte Hafen nach Le Havre war. Von den Werften gibt es heute noch eine. Ein modernes Hafengebiet gibt es entlang der Loiremüdung vor und bis Saint-Nazaire noch.

In Coueron verließ ich den offiziellen Loireradweg und fuhr weiter rechtsseitig Richtung Saint Nazaire. Dies lag daran, dass ich im Fremdenverkehrsbüro in Nantes keine klare Antwort bekommen hatte, ob bzw. wie man, wenn man dem linksseitig bis zum Meer verlaufenden Radweg folgt, hinüber nach Saint-Nazaire und damit zum dortigen Bahnhof für die Rückfahrt kommt. Im Nachhinein gesehen hätte mir klar sein müssen, dass die Franzosen einen hochoffiziellen Radweg nicht im Nichts am Meer enden lassen. Die Auskunft des Fremdenverkehrsbüros lautete jedoch, es gebe zwar eine Brücke über die Mündung, diese sei für Radfahrer jedoch gefährlich. Tatsächlich ist es so, wie ich in Saint-Nazaire erfuhr, dass die dortige, imposante Hochbrücke sogar eine Fahrradspur hat und es auch noch eine Fähre über die Mündung gibt.
Man kann also ruhig dem offiziellen Radweg folgen und nach Coueron die Fähre über den Fluss nehmen. Meine Route verläuft jedenfalls auf der anderen Seite und führt zunächst nochmal durch eine schöne, leicht hügelige Landschaft, bevor es dann nach Donges runter in Flussnähe, eher schon Mündungsnähe geht und man die letzten ca. 8 Kilometer zunächst an der ein oder anderen Dreckschleuder, vermutlich Chemiefabrik, vorbeifährt und dann an den sich bis Saint-Nazaire erstreckenden Hafenanlagen.



                             Hochbrücke
 

Gleich von woher man nach Saint-Nazaire hineinradelt, es fällt einem sofort eine gewaltige Bunkeranlage auf, in der sich auch in einem Glaskubus das dortige Fremdenver-kehrsbüro befindet, welches mir ein Hotel im Stadtzentrum vermittelte. Bei dem Bunker handelt es sich um einen ehemaligen deutschen U-Boot-Bunker. Wer mal den Film
"Das Boot" gesehen hat, kann sich das Ding in Betrieb vorstellen. Die Deutsche Marine hat den Franzosen den Bunker direkt an den alten Hafen gestellt. Allein das Dach ist fünf Meter dick und so etwas ließ sich wohl nicht beseitigen oder sprengen, ohne Saint-Nazaire gleich mit in die Luft zu sprengen. Man hat also aus der Not ein Tugend gemacht, das ganze als eine Art Freilichtmuseum gestaltet und auf dem Dach Schautafeln zur ganzen Geschichte des ehemaligen Fischerdorfs installiert. Der Ort wurde, siehe oben, als Hafen zu Zeiten Napoleons III. aus dem Boden gestampft. Es war eine reine Planungsstadt, die in einem Bereich die Werften und den (heutigen) alten Hafen hatte, in einem anderen Bereich die Arbeiterviertel und am Meer Villen und eine Strandpromenade. Für touristische Zwecke und für den Passagierhafen wurde damals auch die Bahn-linie von Nantes nach Saint-Nazaire verlängert. Wohl kriegsbedingt steht vom alten Ort fast nichts mehr. An der Strandpromenade gibt es seltsamer Weise kein einziges Hotel und nur ein Strandrestaurant. Die "Stadtmitte" hat man versucht, durch zwei Einkaufszentren zu beleben.
 
                                       

                                    U-Bootbunker                                                               Leuchtturm Loiremündung                                                Landungsdenkmal

 

18. Tag Saint-Nazaire 0 km

Da die Wettervorhersage eigentlich Sonne vorhergesagt hatte und ich im übrigen auch mal einen Ruhetag einlegen wollte, buchte ich das Hotel für zwei Nächte. Tatsächlich war es dann so, das es bei meiner Ankunft grau war und sogar mal, wenn auch nur kurz, nieselte. Auch der nächste Morgen begann grau. Erst gegen Mittag kam die ange-kündigte Sonne endlich raus. Ich ließ mich davon nicht verdrießen, sah mir eben in Ruhe den Ort an und steckte am Nachmittag des zweiten Tages sogar meine Füße ins Meer. Dort steht dann ein Denkmal an der Stelle, an der 1917 die ersten us-amerikanischen Soldaten in Frankreich landeten, um Frankreich und England aktiv mit Truppen zu unter-stützen. Auch in Saint-Nazaire also wieder, wie schon in Chinon, Historie wohin man blickt. Aufs Baden verzichtete ich, da ich dazu auch bei beginnenden Flut erst mal schier ewig ins Meer hätte wandern müssen, um überhaupt Schwimmtiefe zu erreichen. Die Gezeitenunterschiede sind dort schon recht erheblich. Ich bin auch kein allzu großer Freund der Nordssee- bzw. dort Atlantikpampe, sonst "Watt" genannt.

Stattdessen besorgte ich mir am Bahnhof die Fahrkarten für die TGVs nach Paris und von Paris nach Straßburg. Obwohl die Hauptferienzeit schon vorbei war, konnte ich für die Strecke Paris-Straßburg einen TGV, genauer gesagt das dafür erforderliche Fahrradabteil erst für den Abend buchen.

 

19. Tag Saint-Nazaire - Paris 30 km - Straßburg - Kehl 7 km


Am nächsten Morgen ging es dann zum Bahnhof und ab in den TGV nach Paris. Ich war der einzige Radler im Fahrradabteil und ließ die Landschaft, die ich Tage zuvor durchradelt hatte, bis Angers an mir vorüberziehen, bevor der Zug dann Richtung Paris abbog. Gegen Mittag erreichte ich den Bahnhof Mont-parnasse und aß im dortigen Quick (französischer Mcdonalds) erst mal zu Mittag. Der Bahnhof Montparnasse ist ein Betonbau im 70er-Jahre-Stil und etwas heruntergekommen. Paris hat historisch bedingt ja keinen Zentralbahnhof sondern 6 Fern- bzw. Kopfbahnhöfe, sodass man, wenn man durch Frankreich und damit fast immer über Paris fährt, in Paris den Bahnhof wechseln muss. Normalerweise macht man das mit der Metro. Nun hatte ich aber keine Lust, mich mit Fahrrad und Gepäck womöglich zwei Stockwerke tief und per Rolltreppe in die Metro erst hinein- und dann wieder herauszuwühlen. Auch hier half Komoot weiter. Es stellte sich nämlich heraus, das der Gare de l'Est in ca. 7 km Entfernung sozusagen direkt gegenüber lag und so stürzte ich mich ins Verkehrs-gewimmel, fuhr bei Monsieur Hollande und an Notre Dame vorbei auf die andere Flussseite der Seine zum Gare de l'Est.  

Im Gare de l'Est gab ich mein Gepäck in den dortigen Schließfächern, nach vorheriger Röntgenkontrolle, ab und beschloss, Paris á Velo zu machen. Ich war früher zwar schon zweimal dort, dann aber immer auf die Art Eiffelturm, Metro, Arc de Triomphe, Metro usw. eigentlich sah man von kurzen Fußstrecken abgesehen immer nur die Hauptsehens-würdigkeiten und die Metro. Und ich muss sagen, Paris mit dem Fahrrad, das hat was! Es gibt zwar nur wenige, mutige Radler und die in der Regel ohne Helm, aber man erlebt die Stadt viel unmittelbarer. Nur so aus Spass und nicht als ernsthafte Routenplanung, habe ich hier diese Tour auch verfügbar gemacht. Leider war der Himmel an diesem Nachmittag in Paris grau und nicht so ideal zum Fotografieren. Die Bilder der typischen Sehenswürdigkeiten habe ich hier deshalb mal weggelassen, zumal ja wohl jeder den Eiffelturm oder den Arc de Triomphe kennt.
Ein Erlebnis der besonderen Art hatte ich noch nach meiner Rückkehr zu den Schließfächern am Gare de l'Est. Als ich nämlich mein Schließfach öffnete, war mein Gepäck weg! Es stellte sich dann heraus, dass ich dieses doch tatsächlich in ein Fach daneben gelegt hatte und die Nachbartür geschlossen hatte! Das Nachbarfach hatte ich hingegen nicht verschlossen, sondern die Tür nur angelehnt. Nun ja, mal richtig Glück gehabt! Andererseits: Wer klaut schon vermiefte Klamotten?

Nach dem Schreck besorgte ich mir noch ein Sandwich und dann ging es ab in das Fahrradabteil des TGV nach Straßburg. Gegen 22:15 Uhr kam ich dort an. Das Hotel in Kehl hatte ich schon von Saint-Nazaire aus telefonisch gebucht. Nach knapp 20 Minuten Fahrt durch das nächtliche Straßburg kam ich in Kehl auf der anderen Rheinseite an und landete im Hotel Rosengarten, in dem der Wirt freundlicherweise auf mich gewartet hatte. Nebenan war noch eine gemütlich Kneipe namens Alte Zunft und dort bin ich dann bei zwei oder drei? Viertelen und einem Ratsch mit einem Straßburger und der netten Bedienung hinter der Bar tatsächlich noch etwas  versumpft.


20. Tag Kehl - Freudenstadt 65 km

Nachdem nicht nur die Wettervorhersage, sondern auch das tatsächliche Wetter traumhaft war, beschloss ich, noch ein Stück Richtung Heimat zu radeln. Die Strecke bzw. Karte von Komoot hatte ich mir im Hotel per WLAN runtergeladen und los ging es von Kehl (139) Richtung Schwarzwald, über die A 5 hinein ins Renchtal und zunächst bis Oberkirch (192) am Fuße des Schwarzwalds. Es ist ein hübsches Örtchen mit Fachwerk und Weinbau und in einem dortigen Gasthof habe ich hervorragend gespeist. Weiter ging es im Renchtal bis Oppenau (277), welches teilweise auch schon im dort abzweigenden Lierbachtal liegt. Oppenau hat ein sehr schönes Schwimmbad. Wenn man sich dort aufhält, meint man es liegt völlig allein in Wald und Flur, obwohl unterhalb eine Bundesstraße vorbeiführt. Da es bis Freudenstadt nicht mehr allzu weit war, legte ich im Freibad eine gemütliche Badepause ein.
Diese war auch bitter nötig, wie sich wenige Meter später auf der unmittelbar danach mit bis zu 18 % Steigung zur Alexan-derschanze bzw. nach Kniebis führenden, ca. 8 km langen Bergstrecke herausstellen sollte.

Mein bis dahin, rund 5500 km zuverlässig funktionierender Antrieb begann zu mucken. Obwohl der Motor nicht heiß war, schaltete der Antrieb ständig ab. Da freut man sich, wenn man noch ca. 8 km Bergstrecke vor sich hat. Die Ursache war nicht herauszubekommen. Mit eine Mischung aus Ab- und Anschalten und gelegentlichem Schieben dazwischen erreichte ich in der beginnenden Abendsonne den höchsten Punkt mit ca. 1050 m und genoss nach dieser unfreiwilligen, sportlichen

             Renchtal mit Schwarzwaldblick

Sondereinlage den Blick über den Schwarzwald bis ins Rheintal. Nach Abschluss der Tour stellte sich heraus, dass die eine oder andere Zelle meines Akkus schon schlapp gemacht hatte, was zu Störungen der Steuerelektronik und zu den ent-sprechenden Aussetzern führte. Nun ist, nach drei Jahren und rund 5.500 km ein neuer Akku fällig.
Das restliche Stück bis Freudenstadt fuhr ich dann nicht auf der von Komoot vorgeschlagenen Route parallel zur Schwarz-waldhochstraße sondern unmittelbar auf dieser, nachdem am späten Abend fast kein Verkehr mehr herrschte. Das hatte den Vorteil, dass es von Kniebis bis Freudenstadt mit Ausnahme eines kurzen Anstiegs unmittelbar vor Freudenstadt rasant bergab ging, denn bis Freudenstadt (732) vernichtet man wieder rund 300 Höhenmeter. Im Hotel Bären in Freudenstadt fand ich eine freundliche Aufnahme und der Salat mit hausgemachten Maultaschen und einem guten, badischen Weißwein mundeten hervorragend. Freudenstadt ist für seinen großen Marktplatz bekannt, der deshalb so groß ist, weil ein württem-bergischer Herzog dort eigentlich noch ein Schloss hinstellen wollte. Dazu kam es dann aber nicht mehr. Der heutige Markt-platz ist im übrigen ein kompletter Wiederaufbau, nachdem es Freudenstadt in den letzen Kriegstagen noch ziemlich übel erwischt hatte.


                                                                                                                                                                                                                                                Marktplatz Freudenstadt

20. Tag Freudenstadt - Tübingen 65 km

 

 

Am nächsten Morgen ging es dann über einige Zwischentäler hinunter zum Neckar auf den Neckarradweg nach Tübingen. Der Antrieb funktionierte wieder weitgehend, wenn auch nicht völlig, reibungslos und so gönnte ich mir am späten Nach-mittag in Rottenburg noch einen riesigen, italienischen Eisbecher, bevor ich in der Abendsonne in Tübingen einrollte.

Dort ließ ich es dann gut sein, bestieg nach einem Abendessen in einem schönen Lokal am Neckarufer den Zug und fuhr auf Umwegen über Herrenberg und Stuttgart, auf der Strecke nach Nürtingen waren Bauarbeiten, nach Göppingen, wo ich abends gegen 22:00 Uhr ankam.

 

 

                        Tübingen Neckarufer



Tja und das war dann mein Bericht meiner großen Tour 2016, die mir viel Freude gemacht hat.


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